Luteinisierendes Hormon (LH): Funktion, Normalwerte und wann ein Test sinnvoll ist

Der Hormonhaushalt beeinflusst zahlreiche Prozesse im Körper – von der Fruchtbarkeit über den Menstruationszyklus bis hin zur Testosteronproduktion. Eine zentrale Rolle übernimmt dabei das luteinisierende Hormon (LH). Es steuert unter anderem den Eisprung bei Frauen und die Testosteronbildung bei Männern und liefert wichtige Hinweise auf die Funktion des hormonellen Regelkreises.

In diesem Artikel erfahren Sie, was das luteinisierende Hormon ist, welche Aufgaben es im Körper übernimmt, welche LH-Werte als normal gelten, wann ein Test sinnvoll ist und wie sich auffällige Werte medizinisch einordnen lassen.


Inhaltsübersicht


Was ist das luteinisierende Hormon (LH)?

Das luteinisierende Hormon, kurz LH, ist ein körpereigenes Hormon und gehört zur Gruppe der sogenannten Gonadotropine. Es wird in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gebildet und über das Blut zu den Geschlechtsorganen transportiert.

LH wirkt sowohl bei Frauen als auch bei Männern auf die Funktion der Keimdrüsen (Eierstöcke bzw. Hoden) und ist damit ein zentraler Bestandteil der hormonellen Regulation von Fruchtbarkeit und Sexualhormonen (MedlinePlus, 2023, NIH, 2025).

Welche Funktion hat LH im Körper?

Die Wirkung des luteinisierenden Hormons unterscheidet sich je nach Geschlecht, folgt jedoch immer dem gleichen Ziel: der Steuerung der Sexualhormonproduktion.

Bei Frauen

  • Auslösung des Eisprungs (Ovulation) durch einen kurzfristigen LH-Anstieg

  • Unterstützung der Reifung der Eizelle

  • Stimulation der Gelbkörperbildung (Corpus luteum), die für die Produktion von Progesteron verantwortlich ist

Bei Männern

  • Anregung der Leydig-Zellen in den Hoden zur Bildung von Testosteron

  • Indirekte Unterstützung der Spermienproduktion durch die Regulierung des hormonellen Gleichgewichts

Quelle: Cleveland Clinic, 2025

Wie wird die LH-Ausschüttung im Körper gesteuert?

Die Ausschüttung von LH erfolgt nicht isoliert, sondern ist Teil eines fein abgestimmten hormonellen Regelkreises, der als Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse bezeichnet wird.

  • Der Hypothalamus setzt das Hormon GnRH frei.

  • Dieses stimuliert die Hypophyse zur Ausschüttung von LH und FSH (follikelstimulierendes Hormon).

  • LH und FSH wirken gemeinsam auf Eierstöcke oder Hoden und steuern dort die Produktion von Sexualhormonen.

Gerade bei Zyklusstörungen oder unerfülltem Kinderwunsch ist das Zusammenspiel von LH und FSH entscheidend für die medizinische Beurteilung.

Welche LH-Werte sind normal?

Die Konzentration des luteinisierenden Hormons im Blut ist abhängig von Alter, Geschlecht und – bei Frauen – von der Zyklusphase.

Gruppe

Normalwert im Blut (IU/L)

Frauen – Follikelphase

1,9 – 12,5

Frauen – Ovulationsphase

8,7 – 76,3

Frauen – Lutealphase

0,5 – 16,9

Frauen – nach der Menopause

15,9 – 54,0

Männer

1,7 – 8,6

Hinweis: Referenzbereiche können je nach Labor variieren. LH-Werte sollten immer im Zusammenhang mit dem Zyklustag und weiteren Hormonen interpretiert werden (NHS, 2024, MedlinePlus, 2023).

Kurzer Überblick zu den Zyklusphasen:

Der Menstruationszyklus gliedert sich in mehrere Phasen. Die Follikelphase beginnt mit dem ersten Tag der Menstruation und dauert im Durchschnitt etwa 10–14 Tage. In der Ovulationsphase kommt es um die Zyklusmitte herum zum Eisprung, der meist nur ein bis zwei Tage umfasst. In der anschließenden Lutealphase (etwa 12–14 Tage) bereitet sich der Körper auf eine mögliche Schwangerschaft vor, bevor der Zyklus mit der nächsten Menstruation erneut beginnt (Cleveland Clinic, 2022).

Wann ist ein LH-Test sinnvoll?

Ein LH-Test kann wertvolle Hinweise auf den hormonellen Status liefern und wird insbesondere in folgenden Situationen eingesetzt:

  • Zyklusstörungen oder Ausbleiben der Menstruation

  • Unerfüllter Kinderwunsch

  • Verdacht auf vorzeitige Wechseljahre

  • Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS)

  • Überwachung des Eisprungs bei Kinderwunsch

  • Abklärung einer verminderten Hormonproduktion bei Männern

Wie läuft ein LH-Test ab?

In der medizinischen Diagnostik wird das luteinisierende Hormon in der Regel über eine Blutuntersuchung bestimmt. Bei Frauen ist der Zeitpunkt der Blutabnahme besonders wichtig, da sich die LH-Werte im Verlauf des Menstruationszyklus deutlich verändern (MedlinePlus, 2023).

Zur Zyklusbeobachtung kommen außerdem Urintests zum Einsatz, die den kurzfristigen LH-Anstieg etwa 24 bis 36 Stunden vor dem Eisprung erfassen. Diese sogenannten Ovulationstests dienen der Bestimmung des fruchtbaren Zeitfensters, ersetzen jedoch keine umfassende hormonelle Diagnostik.

Untersuchung in der ärztlichen Praxis oder zu Hause

Neben der Untersuchung in einer ärztlichen Praxis kann der LH-Wert auch zu Hause mittels einer Fingerprick-Blutprobe bestimmt werden, etwa mit dem Luteinisierendes-Hormon-Test von Homed-IQ. Für eine weiterführende Einschätzung kann es sinnvoll sein, nicht nur LH isoliert zu betrachten, sondern mehrere Hormone gemeinsam zu analysieren – beispielsweise im Rahmen des Fruchtbarkeitstests für Frauen oder des Hormontests für Frauen, um den hormonellen Status umfassender einzuordnen.

Was bedeuten zu hohe oder zu niedrige LH-Werte?

Abweichungen vom Normbereich können auf unterschiedliche Ursachen hinweisen, müssen jedoch immer im Gesamtkontext bewertet werden.

Mögliche Ursachen für erhöhte LH-Werte

  • Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS)

  • Vorzeitige Wechseljahre (primäre Ovarialinsuffizienz)

  • Funktionseinschränkungen der Hoden bei Männern

  • Seltene Störungen im Bereich der Hypophyse

Mögliche Ursachen für erniedrigte LH-Werte

  • Funktionsstörungen der Hypophyse

  • Starkes Untergewicht oder Essstörungen

  • Intensive körperliche Belastung oder chronischer Stress

  • Einnahme hormoneller Verhütungsmittel (physiologische Unterdrückung der LH-Ausschüttung)

Quelle: Cleveland Clinic, 2025

Wie lassen sich LH-Werte richtig interpretieren?

Ein einzelner LH-Wert erlaubt nur eine eingeschränkte Aussage. Für eine fundierte Beurteilung sollten folgende Faktoren berücksichtigt werden:

  • Zyklustag bei Frauen

  • Verhältnis von LH zu FSH

  • Begleitende Symptome, wie Zyklusunregelmäßigkeiten, Veränderungen der Libido oder Anzeichen eines hormonellen Ungleichgewichts

  • Weitere Hormonwerte wie Östrogen, Progesteron oder Testosteron

Insbesondere bei Kinderwunsch oder Zyklusstörungen ist eine ganzheitliche hormonelle Betrachtung entscheidend.

Wann sollte bei auffälligen LH-Werten ärztlicher Rat eingeholt werden?

Bei deutlich erhöhten oder erniedrigten LH-Werten, anhaltenden Beschwerden oder unerfülltem Kinderwunsch sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen. Fachärztinnen und Fachärzte können zusätzliche Untersuchungen veranlassen und die Werte im medizinischen Gesamtkontext bewerten. Ein Hormontest kann eine erste Orientierung bieten, ersetzt jedoch keine individuelle medizinische Beratung oder Diagnostik.

Zusammenfassung

Das luteinisierende Hormon (LH) spielt eine zentrale Rolle bei Eisprung, Testosteronbildung und Fruchtbarkeit. Da sich die LH-Werte je nach Zyklusphase und hormonellem Zusammenspiel verändern, müssen sie immer im medizinischen Gesamtkontext bewertet werden. Ein LH-Test kann erste Hinweise liefern, ersetzt jedoch keine ärztliche Abklärung.

Cleveland Clinic. (2022). Menstrual cycle.
https://my.clevelandclinic.org/health/articles/10132-menstrual-cycle

Cleveland Clinic. (2025, April 29). Luteinizing hormone: Levels, function & testing.
https://my.clevelandclinic.org/health/body/22255-luteinizing-hormone

MedlinePlus. (2023, December 5). Luteinizing hormone (LH) levels test.
U.S. National Library of Medicine.
https://medlineplus.gov/lab-tests/luteinizing-hormone-lh-levels-test/

National Cancer Institute. (n.d.). Luteinizing hormone.
https://www.cancer.gov/publications/dictionaries/cancer-terms/def/luteinizing-hormone

Newcastle upon Tyne Hospitals NHS Foundation Trust. (n.d.). LH serum.https://laboratories.newcastle-hospitals.nhs.uk/test-directory/lh-serum/

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