Lauren ist Gesundheitswissenschaftlerin und Wissenschaftskommunikatorin und lebt in den Niederlanden. Sie hat einen Masterabschluss in Gesundheitswissenschaften vom Niederländischen Institut für Gesundheitswissenschaften (NIHES) der Erasmus Universität Rotterdam mit Schwerpunkt Epidemiologie. Außerdem hat sie einen B.Sc. in Gesundheitswissenschaften von der Simon Fraser University. Mit ihrem Hintergrund im Bereich der öffentlichen Gesundheit ist es ihr Ziel, genaue wissenschaftliche Inhalte zu erstellen, die leicht verständlich sind und es den Menschen ermöglichen, fundierte Entscheidungen zu treffen. Bei Homed-IQ ist Lauren als Produktentwicklerin und Content Lead tätig und arbeitet eng mit Ärzten und Wissenschaftlern aus dem Bereich Medizintechnik zusammen, um die neuen Produkte und die schriftliche Kommunikation von Homed-IQ zu entwickeln.
Cortisol-Ungleichgewicht: Ursachen & Maßnahmen
Stress gehört für viele Menschen zum Alltag – sei es durch Zeitdruck, berufliche Anforderungen oder private Belastungen. Was viele nicht wissen: Die Reaktion unseres Körpers auf Stress wird maßgeblich durch das Hormon Cortisol gesteuert. In diesem Blog erfahren Sie, welche Funktionen Cortisol hat, was bei dauerhaft erhöhtem oder zu niedrigem Cortisolspiegel im Körper passiert und welche gesundheitlichen Folgen das haben kann.
Inhaltsübersicht
- Welche Funktionen hat Cortisol?
- Wie wirkt Cortisol in einer Stresssituation?
- Cortisol und das Cushing-Syndrom
- Ursachen des Cushing-Syndroms
- Symptome bei einem zu hohen Cortisolspiegel
- Was können Sie tun, wenn Ihr Cortisolspiegel zu hoch ist?
- Kann der Cortisolspiegel auch zu niedrig sein?
- Ursachen für einen niedrigen Cortisolspiegel
- Was sind die Symptome eines niedrigen Cortisolspiegels?
- Was ist zu tun, wenn der Cortisolspiegel zu niedrig ist?
Welche Funktionen hat Cortisol?
Cortisol ist ein Hormon und wird in den Nebennieren produziert, einem Organ, das oberhalb der Nieren liegt und für die Ausschüttung von Hormonen verantwortlich ist. Hormone sind chemische Botenstoffe und regulieren eine Vielzahl von Prozessen in unserem Körper. Cortisol erfüllt zahlreiche Funktionen in unserem Körper. So hilft es beispielsweise bei der Regulierung des Immunsystems, indem es Entzündungsreaktionen hemmt. Außerdem bestimmt es den Biorhythmus (Schlaf-Wach-Rhythmus) mit und hat einen Einfluss auf den Stoffwechsel, indem es die Verwendung von Fetten, Proteinen und Kohlenhydraten im Körper steuert (Cleveland Clinic, 2021).
Eine der wichtigsten Rollen spielt Cortisol jedoch bei der Stressregulation, weshalb es auch als “Stresshormon” bezeichnet wird. Der Cortisolspiegel schwankt auf natürliche Weise im Laufe des Tages, wobei er am Morgen seinen Höchststand erreicht und am Abend wieder abfällt (UMRC, 2023). Der Körper ist bestrebt, den Cortisolspiegel im Körper konstant zu halten, was auch als Homöostase bezeichnet wird. Langfristig hohe Cortisolwerte im Blut können sich negativ auf die Gesundheit auswirken (Cleveland Clinic, 2021).
Wie wirkt Cortisol in einer Stresssituation?
Die Stressreaktion ist ein Schutzmechanismus unseres Körpers, der uns hilft, in bedrohlichen Situationen besser zu funktionieren. Der Stressauslöser ist für jeden Menschen unterschiedlich und kann zum Beispiel ein freilaufender Hund, eine Prüfung oder eine Bedrohung durch eine andere Person sein. Wenn wir mit einer solchen Situation konfrontiert werden, reagiert unser Körper durch die Ausschüttung verschiedener Hormone, wie z. B. Adrenalin oder Cortisol. Cortisol erhöht die Menge an Zucker (Glukose) im Blut und steigert die Glukoseverwertung im Gehirn, so dass unserem Körper mehr Energie zur Verfügung steht und wir uns besser konzentrieren können (Mayo Clinic, 2021). Außerdem unterdrückt es das Verdauungssystem, das Fortpflanzungssystem und die Wachstumsprozesse, da diese in derartigen Situationen hinderlich sind. Nach einer Stressituation normalisiert sich der Hormonspiegel im Prinzip wieder, jedoch kann dauerhafter Stress und die damit einhergehende übermäßige Ausschüttung von Cortisol und anderen Stresshormonen schädlich für den Körper werden.
Cortisol und das Cushing-Syndrom
Das Cushing-Syndrom ist eine Sammelbezeichnung für die Symptome, die auftreten, wenn der Körper über einen längeren Zeitraum zu viel des Hormons Cortisol produziert. Ein erhöhter Cortisolspiegel wird auch als Hypercortisolismus bezeichnet. Die Symptome beim Cushing-Syndrom entsprechen den Symptomen, die bei einem langfristig erhöhten Cortisolspiegel auftreten (Cleveland Clinic, 2022)
Ursachen des Cushing-Syndroms
Die häufigste Ursache des Cushing-Syndroms ist die langfristige Einnahme hochdosierter Glukokortikoide (NIH, 2018). Hierbei handelt es sich um künstliche Formen von Cortisol, die bei langfristiger Einnahme Symptome eines Hypercortisolismus, eines zu hohen Cortisolspiegels, verursachen können. Sie werden hauptsächlich zur Behandlung von rheumatischen Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen, Allergien und entzündlichen Erkrankungen, aber auch bei Transplantationen eingesetzt (Mayo Clinic, 2022). Die Ursache des Cushing-Syndroms kann auch im Körper selbst liegen.
In diesem Fall spricht man von endogenen Ursachen. Endogene Ursachen können entweder auf eine erhöhte Ausschüttung von Cortisol oder ACTH zurückgeführt werden. Eine Überproduktion von Cortisol kann durch einen Tumor an der Nebenniere verursacht werden. ACTH ist das Hormon, das die Produktion von Cortisol in der Nebenniere aktiviert. Eine Überproduktion von ACTH kann durch Tumore in der Hirnanhangsdrüse oder in anderen Teilen des Körpers verursacht werden. (Pluta et al., 2011). Nebennieren- und ACTH-produzierende Tumore sind in den meisten Fällen gutartig, können aber auch bösartig sein. Man spricht auch von Morbus Cushing, wenn das Cushing-Syndrom durch einen ACTH-produzierenden Tumor verursacht wird.
Symptome bei einem zu hohen Cortisolspiegel
Bei Menschen mit Langzeitstress ist der Cortisolspiegel nicht im Gleichgewicht, sondern oft dauerhaft erhöht. Das kann sich sowohl auf den Körper als auch auf die Psyche schädlich auswirken. Das Gleiche gilt, wenn eine Person Medikamente einnimmt, die den Cortisolspiegel erhöhen, oder wenn sie an einer Krankheit leidet, bei der zu viel Cortisol produziert wird. Erhöhtes Cortisol aufgrund von chronischem Stress, Medikamenteneinnahme oder anderen gesundheitlichen Problemen kann zu folgenden Symptome führen:
- Gewichtszunahme: Cortisol baut Fettreserven auf, die der Körper in Situationen nutzen kann, in denen er zusätzliche Energie bereitstellen muss. Dies kann den Appetit steigern, insbesondere auf energiereiche (kalorienreiche) Lebensmittel. Ein hoher Cortisolspiegel kann sich auch auf die Fettverteilung am Körper auswirken und zu einer vermehrten Fetteinlagerung im Bauchbereich (Brust, Rücken und Bauch) oder im Gesicht führen (Clutter, 2011).
- Erhöhter Blutzuckerspiegel: Cortisol kann den Blutzuckerspiegel anheben, um sicherzustellen, dass der Körper ausreichend Energie hat, um auf Gefahren zu reagieren. Langfristig kann ein hoher Cortisolspiegel jedoch zu einem anhaltend hohen Blutzuckerspiegel führen (Cleveland Clinic, 2021).
- Insulinresistenz: Da Cortisol die kurzfristige Energieverfügbarkeit erhöhen soll, verringert es die Insulinausschüttung im Körper und kann dazu führen, dass Fett- und Muskelzellen nicht mehr so gut auf Insulin reagieren, was auch als Insulinresistenz bezeichnet wird (UCSF, 2023). Bei Menschen mit Diabetes kann dies bedeuten, dass sie mehr Insulin einnehmen müssen, um ihren Blutzucker zu kontrollieren.
- Hoher Blutdruck: Cortisol erhöht als Teil der Stressreaktion den Blutdruck und die Herzfrequenz. Ein chronisch erhöhter Cortisolspiegel wird mit einem erhöhten Blutdruck und einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse wie Schlaganfall oder Herzinfarkt in Verbindung gebracht (Inoue et al., 2021).
- Verlust von Muskelkraft und -volumen: Anhaltend hohes Cortisol kann die Proteinsynthese stoppen, was bedeutet, dass es für Ihren Körper schwieriger ist, Muskeln aufzubauen. Es kann auch dazu führen, dass der Körper Muskeln als Energiequelle nutzt, weshalb ein hoher Cortisolspiegel mit einer geringeren Muskelkraft in Verbindung gebracht wird (Peeters at el., 2008).
- Erhöhte Anfälligkeit für Infektionen: Bei kurzfristigem Stress unterdrückt Cortisol Entzündungen und das Immunsystem, während der Körper auf Gefahren reagiert. Langfristig kann ein hoher Cortisolspiegel jedoch zu verstärkten Entzündungen und einer schwächeren Immunreaktion führen (Morey et al., 2015).
- Angstzustände und Depressionen: Erhöhtes Cortisol wurde mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen (Dziurkowska & Wesolowski, 2021) und Angstzuständen (Mayo Clinic, 2021) in Verbindung gebracht.
- Hautveränderungen: Erhöhtes Cortisol kann den Abbau von Proteinen in der Haut und eine Schwächung der Blutgefäße verursachen, was zu dünner werdender Haut führt, die blaue Flecken, Verfärbungen, Risse oder rot-violette Streifen (Striae) aufweisen kann (Philips, 2007).
- Haarwuchs bei Frauen (Hirsutismus): Bei Frauen, die aufgrund einer Überproduktion des Hormons ACTH einen hohen Cortisolspiegel aufweisen, kann es zu dunklem und grobem Haarwuchs an Stellen kommen, an denen normalerweise keine Haare wachsen, wie im Gesicht und auf dem Rücken (Hafsi & Badri, 2022). Dies liegt daran, dass ACTH auch die Produktion von Androgenen anregen kann, Hormonen, die für bestimmte männliche Geschlechtsmerkmale wie die Gesichtsbehaarung verantwortlich sind.
- Herzkrankheit: Stress und ein erhöhter Cortisolspiegel stellen einen Risikofaktor für weiterführende Erkrankungen dar. Ein erhöhter Spiegel des Stresshormons Cortisol wird mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Bluthochdruck in Verbindung gebracht (American Heart Association, 2021). Stress trägt auch zu ungesunden Verhaltensweisen wie Rauchen, übermäßigem Essen und Bewegungsmangel bei, Risikofaktoren für Herzerkrankung (Mayo Clinic, 2023).
- Schlafprobleme: Ungefähr 10% der Gesamtbevölkerung leidet an Insomnia- einer krankhaften Schlafstörung (Cleveland Clinic, 2023). Cortisol arbeitet mit Melatonin zusammen und schwankt im Laufe des Tages, um den Schlaf-Wach-Rhythmus oder die innere “Uhr” zu steuern, die dafür sorgt, dass wir uns am Abend müde fühlen und am Morgen aufwachen. Wenn dieser Rhythmus gestört ist, können die Schlafqualität oder die Fähigkeit einzuschlafen beeinträchtigt sein (Hirotsu, 2015).
Was können Sie tun, wenn Ihr Cortisolspiegel zu hoch ist?
Die Behandlung eines zu hohen Cortisolspiegels hängt von der Ursache ab und kann eine Operation, Bestrahlung, Chemotherapie oder cortisolreduzierende Medikamente umfassen. Wenn ein hoher Cortisolspiegel durch die Einnahme von Medikamenten verursacht wird, kann das Absetzen von Kortikosteroiden und/oder die Einnahme von Medikamenten, die das Cortisol senken, empfohlen werden. Wenn ein hoher Cortisolspiegel durch einen Tumor verursacht wird, kann eine Bestrahlung, Chemotherapie oder Operation durchgeführt werden (Cleveland Clinic, 2022). Lebensstil und Stressbelastung, Ernährung und körperliche Gesundheit haben ebenfalls einen Einfluss auf Ihren Cortisolspiegel und können die Ursache für einen zu hohen Cortisolspiegel sein.
Eine Umstellung auf ein bewusstes und gesünderes Leben kann sich positiv auf Ihren Cortisolspiegel auswirken und Ihre Lebensqualität verbessern. Die folgenden Maßnahmen können bei einem erhöhten Cortisolspiegel helfen:
Ausreichender Schlaf
Ausreichender Schlaf ist für eine gute Gesundheit unerlässlich, und eine schlaflose Nacht kann dazu führen, dass man sich besonders gestresst oder gereizt fühlt. Schlafmangel oder qualitativ schlechter Schlaf, zum Beispiel durch häufiges Aufwachen, wird mit einem erhöhten Cortisolspiegel in Verbindung gebracht (Cleveland Clinic, 2020). Ausreichend Schlaf und ein gleichmäßiger Schlafrhythmus können helfen, den Cortisolspiegel zu regulieren und Unterbrechungen des Schlaf-Wach-Rhythmus zu vermeiden. Für einen Erwachsenen sind 7 bis 9 Stunden pro Nacht optimal, wobei dies individuell auch sehr unterschiedlich sein kann. Um den Schlaf zu verbessern, kann es hilfreich sein, einen regelmäßigen Schlafrhythmus einzuhalten, tagsüber Sport zu treiben und die Bildschirmzeit am Abend zu reduzieren. Der Verzicht auf große Mahlzeiten, Koffein und Alkohol vor dem Schlafengehen kann ebenfalls zur Verbesserung der Schlafqualität beitragen (CDC, 2022).
Körperliche Aktivität
Ob Sie täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, mit dem Hund spazieren gehen oder leidenschaftlich Sport treiben – körperliche Aktivität unterstützt Ihre Gesundheit in erheblichem Maße. Es hat sich gezeigt, dass Sport den Spiegel der Stresshormone im Körper senkt und die Konzentration von Endorphinen erhöht – Stoffe im Gehirn, die die Stimmung verbessern können (Harvard Health, 2020). Auch wenn ein Spaziergang weniger effektiv zu sein scheint als ein Lauf oder ein HIIT-Workout, kann eine weniger intensive körperliche Betätigung tatsächlich am vorteilhaftesten für den Cortisolspiegel sein. Es hat sich gezeigt, dass körperliche Betätigung mit geringer bis mittlerer Intensität den Cortisolspiegel im Körper senkt, während eine hohe Intensität einen Anstieg des Cortisolspiegels bewirken kann (Hill et al., 2008).
Achtsamkeit und Meditation
Achtsamkeit und Meditation sind Praktiken, bei denen körperliche und mentale Techniken eingesetzt werden, um den Geist zu klären und zu beruhigen. Während diese Praktiken schon seit Jahrhunderten in verschiedenen Religionen angewandt werden, sind Achtsamkeit und Meditationen heute als wertvolle Instrumente zur Stressbewältigung und zur Förderung der geistigen Gesundheit anerkannt. Mehrere Studien haben gezeigt, dass Meditationspraktiken den Cortisolspiegel senken können, und durch Meditation kann man lernen, effektiver mit Stress und stressigen Gedanken umzugehen (Pascoe et al., 2017).
Soziale Unterstützung
Forschungsergebnisse belegen, dass soziale Unterstützung entscheidend zur Verringerung von stressbedingter Cortisolausschüttung beiträgt. Das Erleben von emotionaler Unterstützung und Zugehörigkeit in sozialen Netzwerken, sei es durch Familie, Freunde oder Kollegen, kann das Stressniveau effektiv senken. Der Zugang zu sozialer Unterstützung bei akutem Stress kann dazu beitragen, Stresshormone im Körper zu reduzieren und die Reaktion des Herz-Kreislauf-Systems auf Stress abzuschwächen. Freude und Lachen sind bei der Stressbewältigung von entscheidender Bedeutung, da sie die Ausschüttung von Endorphinen (körpereigene Schmerzmittel) fördern und den Cortisolspiegel senken helfen (Heinrichs et al., 2003; Pilcher& Bryant, 2016).
Eine gesunde und ausgewogene Ernährung
Unsere Ernährung hat einen großen Einfluss auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Die folgenden Punkte können Ihnen helfen, Ihren Körper bei Stress zu unterstützen und Ihren Cortisolspiegel zu senken.
Koffeinkonsum verringern
Koffeinhaltige Getränke wie Kaffee und Energydrinks sind sehr beliebt und werden von vielen Menschen täglich konsumiert. Jedoch hat Koffein einen Einfluss auf die Ausschüttung von Cortisol und bedingt eine zeitliche Erhöhung des Cortisolspiegels (Lovallo et al., 2006). Dieser Anstieg ist bei Personen, die normalerweise keinen Kaffee trinken, größer als bei täglichen Kaffeetrinkern (Lovallo et al., 2005). Die Begrenzung des Koffeinkonsums auf 1-2 Getränke pro Tag und der Verzicht auf Koffein am Abend können dazu beitragen, die Auswirkungen von Koffein auf den Schlaf und den allgemeinen Cortisolspiegel zu begrenzen.
Entzündliche Lebensmittel einschränken
Langfristig erhöhtes Cortisol wird mit chronischen Entzündungen in Verbindung gebracht, einem Zustand, der ein Bestandteil von Krankheiten wie Typ-2-Diabetes, Arthritis, Herzerkrankungen, entzündlichen Darmerkrankungen und Alzheimer ist (Cleveland Clinic, 2021; Snead, 2023). Eine wichtige Methode zur Bekämpfung von Entzündungen ist die Ernährung. Zu den entzündungsfördernden Lebensmitteln gehören Lebensmittel mit hohem Zuckergehalt (z. B. Gebäck, Süßigkeiten, zuckergesüßte Limonaden), solche mit einem hohen Anteil an raffinierten Kohlenhydraten (Brot und Nudeln aus Weißmehl), frittierte Lebensmittel, rotes Fleisch und verarbeitetes Fleisch (z. B. Wurstwaren und Frühstücksfleisch). Eine ausgewogene Ernährung, die reich an Obst, Gemüse und Vollkornprodukten ist, kann dazu beitragen, Entzündungen und den Cortisolspiegel im Körper zu senken.
Nutzen Sie die schützende Wirkung von Lebensmitteln
Viele Lebensmittel enthalten wertvolle Inhaltsstoffe, die den Körper bei Stress unterstützen oder präventiv wirken können. Die folgenden Nährstoffe können eine positive Wirkung auf den Cortisolspiegel haben:
- Dunkle Schokolade (enthält Antioxidantien)
- Bananen und Birnen (reich an Kalium)
- Grünes Blattgemüse (Vitamin C und Magnesium)
- Fettreiche Fische (Omega-3-Fettsäuren)
- Probiotika wie Joghurt und Kefir (für eine gesunde Darmflora)
Die folgenden Nährstoffe können sich folgendermaßen auswirken, weil:
- Antioxidantien: Oxidativer Stress ist ein Zustand, der eintritt, wenn es zu viele freie Radikale in den Körperzellen gibt und nicht genügend Antioxidantien, um sie zu beseitigen, was zu Zell- und Gewebeschäden führt (NCI). Oxidativer Stress wird mit einem hohen Cortisolspiegel in Verbindung gebracht Eine Ernährung mit einem hohen Anteil an antioxidantienreichen Lebensmitteln wie Obst, Gemüse und Nüssen kann dazu beitragen, oxidativen Stress zu reduzieren und die allgemeine Gesundheit zu fördern (Cleveland Clinic, 2023).
- Entzündungshemmende Lebensmittel: Da Entzündungen mit einem erhöhten Cortisolspiegel einhergehen, kann eine entzündungshemmende Ernährung ein nützlicher Schritt zur Senkung des Cortisolspiegels sein. Eine Ernährung, die reich an unverarbeiteten, entzündungshemmenden Lebensmitteln wie Blattgemüse, Beeren, Nüssen und fettem Fisch ist, kann dazu beitragen, Entzündungen im Körper zu verringern und die allgemeine Gesundheit zu fördern (Cleveland Clinic, 2023).
- Omega-3-Fettsäuren: Diese “gesunden Fette” wirken sich positiv auf den Cortisolspiegel aus, können die Herzgesundheit unterstützen und entzündungshemmend wirken (McCabe et al. 2017). Zu den Lebensmitteln, die reich an Omega-3-Fettsäuren sind, gehören Lachs, Avocados, Leinsamen und Chiasamen.
- Magnesium und B-Vitamine: Lebensmittel, die reich an Magnesium und B-Vitaminen sind, können den Stoffwechsel von Cortisol unterstützen und Entzündungen reduzieren (Cleveland Clinic, 2023). Zu den Lebensmitteln mit einem hohen Gehalt an B-Vitaminen gehören Rind- und Hühnerfleisch, und zu den magnesiumreichen Lebensmitteln gehören Avocados, Bananen, Brokkoli und dunkle Schokolade.
Ein erhöhter Cortisolspiegel als Folge von chronischem Stress kann negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden haben. Ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Schlaf, regelmäßigem Sport und einer ausgewogenen Ernährung kann helfen, Stress zu bewältigen und den Cortisol- und Entzündungsspiegel im Körper zu senken. Wenn Sie Symptome haben, die auf einen hohen Cortisolspiegel hindeuten, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen und sich testen lassen.
Quelle: Harvard Health, 2021
Kann der Cortisolspiegel auch zu niedrig sein?
Cortisol ist wichtig für die Gesundheit. Sowohl ein zu niedriger als auch ein zu hoher Cortisolspiegel ist schädlich für die Gesundheit. Liegt ein Mangel an Cortisol vor (Hypocortisolismus), spricht man im klinischen Sinne von einer Nebenniereninsuffizienz. Es gibt drei Arten von Nebenniereninsuffizienz:
- Primäre Nebenniereninsuffizienz: Diese Insuffizienz wird auch als Addisonsche Krankheit bezeichnet und entsteht wenn Nebennieren nicht genug Cortisol produzieren.
- Sekundäre Nebenniereninsuffizienz: Die Insuffizienz tritt auf, wenn die Hypophyse nicht genügend ACTH produziert. Das in der Hypophyse produzierte ACTH regt die Produktion von Cortisol in der Nebenniere an.
- Tertiäre Nebenniereninsuffizienz: Diese Insuffizienz tritt auf, wenn der Hypothalamus im Gehirn nicht genügend CRH produziert – das Hormon, das die Hypophyse anweist, ACTH zu produzieren.
Quelle: NIH, 2018
Ursachen für einen niedrigen Cortisolspiegel
Ein niedriger Cortisolspiegel bei Nebenniereninsuffizienz kann durch folgende Ursachen verursacht werden:
- Autoimmunkrankheiten
- Infektion der Nebennieren
- Genetische Störungen, die die Entwicklung oder Funktion der Nebenniere oder der Hypophyse beeinträchtigen
- Chirurgische Entfernung der Nebenniere aus anderen Gründen
- Plötzliches Absetzen von Kortikosteroiden
- Hypophysentumore oder Infektionen
Quelle: NIH, 2018
Was sind die Symptome eines niedrigen Cortisolspiegels?
Zu den Symptomen einer Nebenniereninsuffizienz gehören Müdigkeit, allgemeine Schwäche und Gewichtsverlust. Der Schweregrad und die Art der Symptome hängen von der Ursache der Nebenniereninsuffizienz und des Cortisolmangels ab. Zu den Symptomen eines zu niedrigen Cortisolspiegels oder einer Nebenniereninsuffizienz gehören:
- Schmerzen im Unterleib
- Appetitverlust
- Übelkeit und Erbrechen
- Durchfall
- Niedriger Blutdruck (Hypotonie)
- Verlangen nach salzigen Lebensmitteln
- Niedriger Blutdruck, der beim Stehen abfällt und Schwindel oder Ohnmacht verursacht
- Verminderte sexuelle Lust
Quelle: NIH, 2018
Was ist zu tun, wenn der Cortisolspiegel zu niedrig ist?
Die Nebenniereninsuffizienz wird mit einer Hormonersatztherapie behandelt. Die Behandlung ist oft lebenslang erforderlich, in der Regel mit täglichen oralen Medikamenten (Nieman, 2021). Die korrekte Anwendung von Ersatzmedikamenten ist notwendig, um die Symptome zu minimieren und eine Nebennierenkrise zu vermeiden. Dabei handelt es sich um einen lebensbedrohlichen Zustand, der durch einen schweren Mangel an Cortisol verursacht wird. Mit der richtigen medizinischen Versorgung können Menschen mit Nebenniereninsuffizienz ein aktives und gesundes Leben führen.




